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Ostseezeitung,19.1.2012
Schuke-Orgel Kloster/Hiddensee
Alte Wippenkoppel
Deutliche
Spuren im Nussbaumholz
Diethelm Baaske
Diethelm Baaske und
Michael Schuke
Alte Mechanik mit Abstrakten
aus Holz-
Orgelreinigung 2003
Blick in die
Orgel-
Ausgebaute Pfeifen, 2003
Windanlage
Die Orgel
Die „Königin der Instrumente“ erklingt seit 1943 in unserer Kirche. Sie ist eine Arbeit des Potsdamer Orgelbaufirma Alexander Schuke
(heute ist der Firmensitz in Werder/Havel), die sie auch noch betreut.
Für die Orgelkonzerte, die von Mai bis Oktober jeden Donnerstag stattfinden sind Organisten aus ganz Deutschland, sogenannte Kurkantoren, die hier ihren Urlaub verbringen und aller zwei bis drei Wochen wechseln, verantwortlich.
Die Disposition stammt von Prof. Wolfgang Reimann, Berlin:
Manual I
1. Gedackt 8´
2. Prinzipal 4´
3. Mixtur IV
Manual II
4. Quintatön 8´
5. Rohrflöte 4´
6. Nachthorn 2´
7. Sesquialtera II
Pedal
8. Subbaß 16´
Manualkoppel, Pedalkoppel I / P und II / P
Mechanische Schleifladen
35.000 Euro für die Orgelsanierung
„Diese Orgel hat Seewind in den Pfeifen!“, so charakterisierte vor Jahren ein Kantor unsere Orgel. Ob er den frischen, herben Klang meinte, der mit 8 Registern, zwei Manualen und einem Pedal erzeugt wird, kann ich nur vermuten. Aber die Hiddenseer Inselkirche steht ungefähr 300 m Luftlinie von der Ostsee entfernt und wenn der Westwind mit Stärke 10 über die Insel fegt, weiß ich genau, was es mit dem „Seewind“ auf sich hat. Denn was sollte es sonst sein, was die Windanlage (Blasebalg) in die Orgelpfeifen bläst, Seewind!
Gebaut wurde die Orgel 1942, als Opus 199 in der Potsdamer Werkstatt von Alexander Schuke. Den fehlenden Transportkapazitäten im Krieg war es dann geschuldet, dass sie erst im September 1943 geweiht werden konnte. Dabei anwesend, als wohl prominentester Gast, der Dichter Gerhart Hauptmann, dessen 150. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird.
Seither wird die Orgel nicht nur für die regelmäßigen Gottesdienste, Hochzeiten, Taufen und Trauerfeiern genutzt, sondern erklingt von Mai bis Oktober auch einmal in der Woche zum Orgelkonzert.
Für diese Konzerte, die jeden Donnerstag stattfinden, sind Organisten aus ganz Deutschland, sogenannte Kurkantoren, die hier ihren Urlaub verbringen und aller zwei bis drei Wochen wechseln, verantwortlich. Sie spielen alte, klassische, romantische, moderne und auch zeitgenössische Orgelmusik.
Inzwischen sind die Tasten aus Nussbaumholz abgegriffen und tiefe Spuren zeugen von siebzig musikalischen Jahren. Im Konzert „hängt“ auch mal der eine oder andere Ton: „War es das E?“, „Nein, diesmal das G!“ – ja, das kommt vor. Meist ist der Fehler schnell behoben aber es gab auch schon Abende, an denen der Pastor beherzt in die Orgel steigen musste, um sich von hinten zu einer der ausgehakten Abstrakten vorzuarbeiten. Mitunter bekam er für diese akrobatisch anmutende Übung sogar Applaus.
Eine Orgel ist, neben aller Klangfülle, ein sensibles, kompliziertes, mechanisches Gebilde. Filigrane Teile befinden sich auf engstem Raum und da sie meist, wie bei uns, aus Holz bestehen, sind diese durch die hohe Luftfeuchtigkeit auch sehr beansprucht. Da ist er wieder, der feuchte, salzige „Seewind“. Den Urlaubern ist diese frische Meeresbrise natürlich hoch willkommen, Instrumenten aber ist sie wenig zuträglich.
Damit unsere Orgel auch weiterhin in der Kirche erklingen kann, wird sie in den nächsten Monaten saniert. Am 11. und 12. Januar waren zwei Orgelbauer der Firma Alexander Schuke Orgelbau bei uns und haben die Mechanik, den Spieltisch, das Pedal und einen Großteil der Orgelpfeifen ausgebaut und mit einem kleinen Anhänger nach Werder/Havel, dem heutigen Firmensitz, transportiert. Dort wird ein neuer Spieltisch gebaut, die hölzerne Mechanik durch ein unempfindlicheres Material ersetzt und die Pfeifen mit einem neuen Deckel versehen.
Der frische Seewind wird weiterhin in unserer Orgel wehen, der Klang bleibt unverändert. Die alte Mechanik aber, wird ihren Platz im Orgelarchiv in Werder finden. Palmarum am 1. April, einen Sonntag vor Ostern, ist Konfirmation auf Hiddensee. Bis dahin sollen die Sanierungs-arbeiten abgeschlossen sein.
Die Finanzierung dieser umfangreichen Arbeiten übernimmt zum einen der Förderverein "Freunde der Inselkirchen e.V."
(11.500,- Euro), zum anderen wurden dafür Fördermittel der UEK
(10.000,- Euro) und der Pommerschen Landeskirche
(3.000,- Euro) bewilligt. Die Restsumme wird durch Spendengelder und die Kirchengemeinde Hiddensee erbracht.
(Text: Uta Gau)
Spendenkonto: Sparkasse Rügen
BLZ : 130 510 42 • Konto: 341 402 93
Betreff: Orgelsanierung