Günter Fink

Bild: Günter Fink
Foto: Konrad Glöckner

„Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach“.         Amos, 5,24                     
Monatsspruch Juli 2026

750 Jahre vor Christus tritt Amos als scharfer, sozialkritischer Prophet auf. Damals war das Gottesvolk in zwei Reiche zerfallen, in „Israel“ im Norden des Landes und in „Judäa“ im Süden, mit Jerusalem als Hauptstadt. Amos kommt aus dem Süden. Er ist Schafzüchter und Feigenbauer und kennt die Sorgen und Nöte der einfachen Leute. Nun aber führt ihn Gottes Ruf ins Nordreich. Hier soll er den Menschen ihren kommenden Untergang verkünden. Dieser tritt wenige Jahrzehnte später auch ein. Salmanassar V., der mächtige König von Assur, wird das Land erobern und die Bevölkerung derart zerstreuen, dass sie nie wieder als eigenes Volk zusammenfinden wird.

Ungerechtigkeit, Unzucht und Gottvergessenheit – also Egoismus und Selbstbezogenheit – prangert Amos als Ursachen für das kommende Unheil an. Er erinnert an Gottes Gebote als verbindliche Regeln gelingenden Zusammenlebens. Indem er dies tut, lässt er die Menschen ihre damalige Gegenwart und ihren Alltag als eine Schonfrist erkennen, in der sie durch Umkehr und Buße dieses Unheil vielleicht noch abwenden können: „Hasst das Böse und liebt das Gute, richtet das Recht auf im Tor, vielleicht wird der Herr, der Gott Zebaoth, gnädig sein“ (Amos 5,5), ruft er ihnen zu.

Gott und seinem Geist Raum zu geben, nach dem zu fragen und zu handeln, was heilig und heilsam ist – dies ist der Weg, den der Prophet aufzeigt, um die Chance auf eine Zukunft zu bewahren. Ein Weitermachen wie bisher hingegen, ein von Angst bestimmtes Sich-Sorgen um das eigene Wohl, ohne Rücksichtnahme auf Arme und Schwache, führt unweigerlich ins Vergehen. So der Prophet: Der lebendige Gott ist eine Quelle von Recht und Gerechtigkeit, die nicht versiegt und die so das Leben immer wieder neu aufblühen lassen kann. Wo der Zugang zu dieser Quelle verloren geht, wird das Leben kümmerlich und verdorrt.

Käme Amos heute zu uns, hinein in unsere Tage, in denen es wahrlich genug Vorzeichen heraufziehenden Unheils gibt, was würde er sagen? Was würde er uns raten, um den drohenden Untergang zu verhindern und eine heilsame Zukunft auch für noch kommende Generationen zu bauen?

Die Botschaft von Amos wäre auch heute dieselbe! Welchen Weg also schlagen wir ein? Unheil oder Zukunft – wir haben die Wahl. Und wenn wir wählen, so lasst uns gezielt danach fragen, in welchen Stimmen uns heute der Geist Gottes begegnet, oder zumindest der erkennbare Wille, nach diesem zu fragen und sich von ihm leiten zu lassen.