„Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.“ (Prediger 4,6)
Monatsspruch September 2026
Leicht ist es nicht, Ruhe zu bewahren. Die Welt ist in Unruhe geraten und aufgewühlt wie eine hohe See. Das tägliche Leben hat sein gewohntes Gleichmaß verloren! Ruhe bewahren? Wie soll das gehen, wenn uns Sorgen quälen und Unruhe das Herz bedrängt?
Wenn uns der Prediger Ruhe empfiehlt, so meint er damit Vertrauen zu Gott. Er rät uns zu einer Gelassenheit, die in der Gewissheit beruht, dass uns Gottes schöpferische, bewahrende und heilsame Macht selbst in schlimmer Zeit gnädig leitet und trägt. Urvertrauen in die Durchsetzungskraft dessen, was im Leben heilig ist, wahr und gut, soll uns erlauben, besonnen zu bleiben und getrost im Leben zu stehen. So der Prediger – und die Botschaft vom Kreuz und der Auferstehung Jesu, die unseren christlichen Glauben begründet, gibt ihm darin recht.
Zu solch Urvertrauen und zur Gelassenheit gehört auch, darauf zu achten, was uns täglich an Gutem gegeben ist. Dies sollten wir mit Dank anzunehmen und es nicht als selbstverständlich ansehen. Erst recht sollten wir es nicht leichtfertig aufs Spiel setzen, wenn uns laute Stimmen ein noch größeres, heileres und besseres Leben versprechen. Zu Recht wünschen wir uns auch Veränderungen. Auf Luftschlösser aber sollten wir unsere Hoffnungen und Erwartungen nicht bauen, sondern nach dem wirklich Machbaren streben. Aufgeregte Geschäftigkeit und umtriebiges Tun, die nicht danach fragen, was uns als Menschen geziemt, was unserer Würde entspricht und uns von Grund auf gut tut, bringt keinen Segen mit sich. „Da ist nur Neid, des einen auf den andern…“ – schreibt der Prediger und nennt eben dies „eitel und Haschen nach Wind“ (Prediger 4,4).
Bricht auf offener See schweres Unwetter herein, so haben Segler zwei Möglichkeiten zum Abwettern und sie müssen ihre Entscheidung treffen. Entweder holen sie ihre Segel dicht – die Fock sogar back – und stellen ihr Boot mit dem Bug in den Sturm und die Wellen. „Beidrehen“ heißt dieses Manöver und es erlaubt den Schiffen, ihre Position möglichst zu halten. Oder sie drehen mit dem Heck in den Wind, laufen vor den Wellen ab und sehen, wohin der Sturm sie vertreibt. Letzteres aber, so hat die Erfahrung erwiesen, ist die riskantere Wahl und macht zumeist einen Treibanker erforderlich. Voll mit dem Wind mitzugehen, tut in schwierigen Zeiten nicht gut. „Besser eine Hand voll mit Ruhe …“, rät schon vorzeiten der Prediger.
