„Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig, ihr kleidet euch, und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt`s in einen löchrigen Beutel.“                                                                           Hag 1,6, Monatsspruch September 2021

Der Sommer fordert uns. Vielfältig haben wir auf der Insel zu tun, sei es als Gastgeber in unseren Häusern, sei es bei den Aufgaben, die in den Hotels und Restaurants, in den Häfen oder Geschäften anfallen, sei es bei den Veranstaltungen oder bei all dem, was sich sonst noch ergibt. Augen zu und durch! Im Sommer wird das Geld verdient, nicht im Winter.

Nach dem langen Stillstand in der Zeit des Lockdowns tut uns das Gefordert-Sein auch gut. Unser innerer Motor hat wieder Schwung, Gewohnheiten stellen sich wieder ein und tragen uns durch. Zugleich erleben wir, dass für vieles die Zeit fehlt und wir einander aus dem Blick verlieren. Manches, was uns wichtig ist, bleibt auf der Strecke – wird nicht verschoben, sondern fällt einfach weg. Und so ist unser Leben einerseits prall angefüllt mit allerlei Tun, anderseits eigentümlich leer, als ginge das, was es wirklich ausfüllen könnte, an uns vorbei.

„Ihr esst und werdet doch nicht satt, verdient Geld und legt es in einen löchrigen Beutel.“ – benennt der Prophet Haggai diese Erfahrung. Er spricht diese Worte zu einer Zeit, da der Tempel in Jerusalem zerstört und noch nicht wieder aufgebaut ist. Es genügt nicht, wenn Ihr eure Häuser baut, ruft er seinen Zeitgenossen zu, Euch fehlt ein Ort, an dem Ihr so zur Ruhe kommt, dass Ihr Gott und Euch selbst begegnet. Investiert in diesen Raum, baut Gott ein Haus, schreibt er: „Achtet doch darauf, wie es Euch geht!“

Sein Ruf trifft uns in unserer Zeit. In unserem Alltag fehlt uns häufig ein Ort, an dem wir Gott und uns selbst begegnen, Ein solcher Ort kann, aber muss nicht die Kirche sein. Es kann ein Moment der Unterbrechung sein, an dem wir in unserem Tun innehalten und uns ganz neu von der Schönheit unserer Insel berühren lassen. Es kann ein Moment sein, in dem ein Lied in uns anklingt, das lange verborgen lag. Es kann sein, dass wir zu beten beginnen. In einem Konzert oder einem Gottesdienst können wir die Erfahrung machen, dass unser Leben auf geheimnisvolle Weise weit und bedeutsam ist. Aber wie und wo auch immer – wir sollten solche Orte und Momente suchen und aufsuchen, wieder und wieder.  Dann werden wir erfahren, dass das, was uns wesentlich ausmacht und ausfüllt immer schon gegeben ist und wir es nicht selbst mühsam hervorbringen oder ihm eifrig nachjagen müssen.

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