Ihr tut gut daran, dass ihr auf Gottes Wort achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euern Herzen. 

2. Petr. 1, 19, Predigttext vom Letzten Sonntag nach Epiphanias, 31.01.2021

Stille liegt über dem Land und der See. Vereinzelt schreien Möwen, erstes Licht erhellt den östlichen Himmel und breitet sich aus. Sonnenaufgang, ein kosmisches Geschehen, physikalisch erklärbar und doch ist er mehr. Die Stimmung berührt unsere Seele und lässt uns innehalten, andächtig sein. Ungebraucht noch liegt der neue Tag vor uns und wir haben das Gefühl, es stünde uns frei, was wir mit ihm machen. Gewohnte Abläufe und die Aufgaben des Tages geraten auf den Prüfstand. Was taugt? Woran halten wir fest – und was hält uns? Und was wollen wir neu und anders machen – vielleicht schon seit langem?

Solch Morgenstimmung stellt uns der Autor des Petrusbriefes vor Augen, wenn er beschreibt, wie uns das Wort Gottes berührt. Es lässt uns befreit unser Leben angehen. Selbst im Dunkeln ist es ein Licht, das uns hindurchführt, bis ein neuer Morgen beginnt. Darum, so mahnt uns der Autor, sollten wir achtsam mit diesem Wort umgehen. Es tut uns gut, sagt er, und seine Liebe und sein Respekt vor dem Wort Gottes klingen mit an. Auch das Wort Gottes ist eine kosmische Kraft. Gott ruft das Leben hervor, jeden Tag neu – das Land und die See, die Möwen und uns Menschen auch. „Es werde Licht!“ – so spricht er, und in seinem Wort ist er uns nah und richtet uns auf, dass unser Leben gelingt.

Dunkelheiten kennen wir; sei es, dass Eitelkeit, Neid oder Hass unsere Herzen verdunkeln, sei es, dass Sorgen uns bedrängen oder Trauer, Krankheit und Tod. Dunkle Zeiten, wie die von Corona, verleihen den Mächten der Dunkelheit besondere Kraft und setzen sie scheinbar ins Recht: Sorgen sind existentiell, Beruf und Besitz sind bedroht, Krankheit ist allüberall und der Tod ihr Begleiter. Gecken brüsten sich vollmündig, setzen sich eitel als Retter in Szene und verspotten Geduld und Vernunft. Aber die Wurzeln wirklicher Macht reichen tiefer und gewinnen ihre Kraft aus anderen Quellen. Wo Menschen behutsam das pflegen, was die Liebe zum Leben erhält, was Mut und was Hoffnung bestärkt, dort tragen sie Licht in die Dunkelheit ein.

Gottes Wort weist uns auf diesen Weg. Es hält uns das Bild von Jesus dem Christus vor Augen und bezeugt uns den Sieg des Lebens selbst über den Tod.

Wir sind gut beraten, Gottes Wort zu achten auch am dunklen Ort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in unseren Herzen. Mit dem letzten Sonntag nach Epiphanias endet die Weihnacht, doch ihr Licht trägt uns weiter, auch durch die Passionszeit hindurch.

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