Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unserer Seele. Hebräerbrief 6,19
Monatsspruch für den Mai 2026
Der Bug wird in die Höhe gehoben und krachend fällt er wieder in die See. Wellen fegen über das Boot hinweg, mal stärker von Backbord, mal stärker von Steuerbord. Das Boot schwojt hin und her. Hoffentlich hält der Anker. Hoffentlich.
Auch der Schreiber des Hebräerbriefes hat einen Anker ausgeworfen. Die Hoffnung selbst ist sein Anker, und für ihn ist er sicher und fest. Er hält, denn er haftet auf verlässlichen Grund. Er reicht hinein bis ins „Innerste hinter dem Vorhang“! – so schreibt er weiter.
Damit greift der Schreiber auf eine kultische Vorstellung aus der Zeit des Jerusalemer Tempels zurück. Das Innerste dieses Heiligtums, hinter dem Vorhang gelegen, galt als der Aufenthaltsraum Gottes. Hier war die Bundeslade und hier war mit der Gegenwart Gottes zu rechnen. Nur einmal im Jahr, zum Fest Jom Kippur, durfte der Hohepriester diesen Raum betreten, um stellvertretend für das Volk Gottes Vergebung zu empfangen. Für den Schreiber des Hebräerbriefes aber ragt das, was ihm Hoffnung und Halt gibt, nun als dauerhafte Verbindung bis ins Heiligste hinein. Denn Jesus Christus hat die Tür zum Heiligtum aufgestoßen und Gemeinschaft mit Gott erwirkt. Gott selbst steht für seinen Bund und sein Versprechen ein. Das ist die Hoffnung, an die der Schreiber sich hält. Am Sterben und an der Auferstehung von Jesus Christus macht sie sich für ihn fest.
Das klingt fromm und die Sprache des Hebräerbriefes ist nicht einfach. Aber das Bild vom sicheren Anker, das ist stark! – und uns an der See gut vertraut.
Und es ist ein hilfreiches Bild in unserer Zeit! Denn wir befinden uns alle in schwerer See. Wellen türmen sich auf und brechen über uns herein. Spätestens seit der Corona-Pandemie sind wir aus dem gewohnten Fahrwasser vertrieben. Mit den Kriegen, die seither wüten, in der Ukraine, in Syrien, in Äthiopien, in Israel, im Gazastreifen, im Iran und an so vielen anderen Orten, haben die Böen nicht abgenommen. Sichere Häfen, in denen wir diesen Stürmen ausweichen können, kennen wir nicht. Wo aber sonst finden wir Hoffnung und Halt? Woran können wir uns fest machen, um nicht zu stranden? Oder gar um Ruhe und Kraft zu gewinnen?
Vom christlichen Glauben und von der österlichen Hoffnung ist uns zugesagt, dass sie ein sicherer, fester Anker sind. Erfahren, ob dieses Versprechen hält, können wir freilich nur, wenn wir unser Lebensschiff auch an ihnen festmachen. Ermutigen dazu, wollen uns all diejenigen, die es vor uns erfolgreich getan haben.
