„Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finsteren Lande, scheint es hell.“        Jes 9,1

Losungswort zum 3. Oktober 2020

Vor 30 Jahren wurde aus unserem durch Krieg und Schuld zerrissenen Land wieder ein Ganzes. Menschen und Städte gesundeten und wurden heil; aber auch neue Brüche traten ein. Nicht ewiger Frieden und Harmonie taten sich auf, sondern die Spannungen des Lebens mit ihren weiten Möglichkeiten, Forderungen und auch Überforderungen. Heute wägen wir ab zwischen Gewinn und Verlust. Wir erzählen unsere Geschichten von erlebter Geschichte. Teils sind wir dabei um Sachlichkeit und Wahrheit bemüht, teils von Emotionen und Interessen getrieben. Aber welches Resümee wir auch immer ziehen mögen, eines werden wir alle, die wir diese Zeit erlebten, gemeinsam haben, nämlich die wache Erinnerung daran, dass sich Türen auftaten, wo wir es keineswegs erwarteten. Daran, dass Licht und Hoffnung die Herzen von uns Menschen beseelten und dass es eine Zeit gab, in der Freude und Dank größer waren als Sorgen und Angst.

Dieser Erinnerung sollten wir trauen und uns von ihr stärken und trösten lassen, heute, wo unser Leben uns mancherlei Mut abverlangt; wo eine Krankheit unseren Alltag tiefgreifend verändert, wo die Entwertung von Wahrheit und Anstand in der großen und kleinen Welt immer groteskere Züge annimmt und wo uns Fragen eines sich ändernden Klimas und einer ungewissen Zukunft bedrängen. Von Gott ist uns verheißen, dass sein Licht die Dunkelheit überstrahlt. Und wir sind eingeladen, Gottes Verheißung zu glauben und aus dieser Hoffnung als befreite und mündige Menschen zu leben und seinem Licht Raum zu geben, inmitten unserer Welt.

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